
- geboren am 29. Mai 1879 in Mieger/Medgorje, Rottenstein/Podgrad
- gestorben 17. Februar 1944 im KZ Dachau
- zuletzt wohnhaft in St. Stefan 1, Gemeinde Finkenstein/Bekštanj (auf der Tafel steht: Ebenthal/Šrelec)
Anton Gastl ist als zweites uneheliches Kind von Rosa Gastl und Anton Ogris zur Welt gekommen. Als Kind übersiedelte er mit seiner Mutter und seinem älteren Bruder Josef nach St. Stefan, P. Mallestig, Gemeinde Finkenstein, wo seine Mutter eine Stelle als Wirtschafterin beim dortigen Pfarrer antrat. Bald darauf verstarb sein älterer Bruder Josef. In St. Stefan bei Finkenstein verbrachte Anton seine Kindheit und Jugendzeit. Er besuchte die dreiklassige Volksschule in Finkenstein und anschließend das Peraugymnasium in Villach. Anton ist vermutlich zweisprachig aufgewachsen. Mit seiner Mutter, die die slowenische Sprache nicht beherrschte, sprach er deutsch und mit den anderen Menschen im Dorf und im Pfarrhof sprach er wahrscheinlich slowenisch. Slowenisch war zu jener Zeit die Umgangssprache in dieser Gegend. Nach dem Gymnasium diente er drei Jahre beim Militär der k. u. k. Monarchie. Mit 30 Jahren, im Jahre 1909, verheiratete er sich mit Maria Gallob aus Obergreuth, Gemeinde Finkenstein. Dieser Ehe entstammten zwölf Kinder. Im Ersten Weltkrieg war Anton Gastl als Soldat in der Steiermark stationiert. Gleich nach dem Ersten Weltkrieg war er als Gemeindesekretär in Finkenstein beschäftigt. Außerdem engagierte er sich in verschiedenen slowenischen Kulturinitiativen. Während der Volksabstimmung im Jahre 1920 trat er für die Abtrennung des slowenischsprachigen Teils von Kärnten an den SHS-Staat ein. 1941 arbeitete er kurze Zeit bis zur Kündigung wegen politischer Unzuverlässigkeit bei der Reichsautobahn, wobei er die Grundstücksauslösen mit den Besitzern verhandelte und die entsprechenden Verträge dafür abschloss.
Vor Weihnachten 1943 wurde er wegen „Feindsenderhören“ gemeinsam mit seinen beiden Töchtern Rosa Maizinger, geb. Gastl, wegen Partisanenunterstützung, und Josefine Gastl, wegen ihrer Schwangerschaft vom Partisanen Franjo Pöck, von der Gestapo verhaftet und in Villach und Klagenfurt verhört. Er wurde vom Bahnhof Klagenfurt-Ebenthal in einem Viehwagon gemeinsam mit anderen Häftlingen ins KZ Dachau deportiert, wo er am 17. Feber 1944 an Lungenentzündung starb. Zur Zeit seiner Verhaftung waren alle fünf noch lebenden Söhne bei der Deutschen Wehrmacht. Seine beiden Töchter Rosa und Josefine überlebten den Krieg im Konzentrationslager Ravensbrück. Josefine Gastl war mit dem Partisanen Franjo Pöck aus Altfinkenstein verlobt und zur Zeit ihrer Verhaftung hochschwanger. Im Gestapogefängnis Klagenfurt gebar sie Ende Mai 1944 eine Tochter, Anna, die ihr von der Gestapo sofort weggenommen wurde. Anna verstarb 14 Tage später im Gaukrankenhaus Klagenfurt an Unterernährung.
Letzter Brief von Anton Gastl aus dem KZ Dachau an seine Tochter Aloisia Gastl. Dachau Block 3K, den 6. 2. 1944
Meine Lieben!
Es freut mich heute Schreibgelegenheit erhalten zu haben, um Euch über mein Dasein zu berichten.
Von Klagenfurt kam ich am 31. 1. d. J. in der Früh weg und langte am gleichen Tage abends 10.00 Uhr hier an. Insoferne Ihr mir mein Los erleichtern wollt, bitte ich um Anhersendung von etwas Brot und Fett (Margarine, Butter oder sonstiges). Um das Brot haltbar zu machen empfehle ich das Aufschneiden in Würfel oder Platten, entsprechende Trocknung und Verpackung in einem Papiersack. So könnte ich damit die Suppe resp. Kaffe sättigender gestalten. Wahrscheinlich hat schon Pöck entsprechend geschrieben, der die Zusammensendung mit mir wünscht; falls Toni eine entsprechende Verpackung (Kistchen) schafft. Bezüglich Sendung von Kleidungsstücken werde ich nächstens berichten. Hoffentlich habt Ihr meine Brieftasche (Geldtasche) erhalten, mit etwas über 100 RM und meinen Ehering. Auch die beiden anderen Brieftaschen wurden mir bei der Gendarmerie in Mallestig abgenommen; mit Inhalt meine und Tonis Kleiderkarten, meine Seifen und Raucherkarten, Fotografien der Buben und so weiter. Vielleicht könnt Ihr Euch damit berichten. Bei Gallob in der Schreibtischschublade holt meine Augengläser samt Etui und bewahrt sie zu Hause gut auf. Weiters bitte ich alle meine Sachen in guter Verwahrung zu behalten. Vielleicht könnt Ihr neueste Zeitungen und Briefmarken 5 Stück mitsenden. Auf Eure Berichte mich freuend bitte ich Franzi für mich etwas zu machen.
grüße herzlichst: Euer Vater: A. Gastl
Quelle:
Persönliches Archiv der Enkelin Luise Ruhdorfer, Abschrift gemacht von der Enkelin Luise Ruhdorfer. [Erklärung: Aloisia Gastl, verehel. Hasenbichler, war die Mutter von Luise Ruhdorfer, geb. Hasenbichler.]
Liste Nischelwitzer.
Archiv der KZ-Gedenkstätte Dachau.
Datenbank Archiv Bad Arolsen.