Juden und Jüdinnen

„Über Jahrzehnte hinweg haben Juden und Jüdinnen das Alltags-, Kultur- und Geschäftsleben der Stadt Villach und ihrer Umgebung geprägt. Viele hatten schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts auf der Suche nach neuen Lebensmöglichkeiten dem Assimilationsdruck nachgegeben und ließen sich taufen. Oder auch nicht. Waren religiös. Oder auch nicht. Waren wohltätig, oder eben auch nicht. In jedem Fall fühlten sie sich als gleichberechtigte Staatsbürger:innen (…).“

Der Antisemitismus, die Feindseligkeit gegenüber der jüdischen Bevölkerung, war keine nur auf die NS-Herrschaft beschränkte Verirrung, sondern hat in Österreich eine lange gesellschaftliche Tradition. Die jüdische Bevölkerung Villachs war schon lange vor 1938 massiven Diskriminierungen verschiedenster Art ausgesetzt. So war am Ludwig-Walter-Haus auf dem Dobratsch seit 1921 die Hinweistafel angebracht, dass Juden hier nicht erwünscht seien.

Im März 1938 lebten im Bezirk Villach mindestens vierzig jüdische Familien mit über hundert Personen. Der im gleichen Monat erfolgte Anschluß Österreichs an Hitler-Deutschland bedeutete für die jüdische Bevölkerung einen dramatischen Einschnitt, der mit gesellschaftlicher Isolation, sozialer Entrechtung und Beraubung begann und mit gnadenloser Vertreibung und Vernichtung endete.

Zitat aus: Koroschitz/Schmidt (Hg.): Im besten Einvernehmen. Antisemitismus und NS-Judenpolitik im Bezirk Villach, Klagenfurt 2014, S. 10.