Gornik Maria, geb. Schönfeld

  • geboren am 20. April 1900 in Bursztyn, Polen
  • gestorben am 16. Oktober 1942 im KZ Auschwitz
  • zuletzt wohnhaft in Villach-Auen, Oberfeldstrasse

Die Jüdin Maria Gornik wurde als Maria Schönfeld am 20. April 1900 im polnischen Bursztyn geboren, wo sie auch ihren im Kriegseinsatz befindlichen Mann Wilhelm Gornik kennengelernt hatte. Ab 1920 lebte das Paar in Villach und führte an der Adresse Kiesweg 10 eine kleine Greißlerei. Mit dem „Anschluss“ 1938 wurden aus den antisemitischen Anfeindungen des Alltags massive Bedrohungen: Die Ehe mit einem als „Arier“ geltenden Mann bot ihr als Jüdin vor der behördlichen Verfolgung zwar noch einen gewissen Schutz, allerdings sorgten die antisemitischen Denunziationen aus der Nachbarschaft bereits 1938 für erste Verfolgungsmaßnahmen. Im Juli 1941 wurde Maria neuerlich wegen angeblichen Hörens von ausländischen Feindsendern von der Gestapo verhaftet, im Herbst 1941 nach Klagenfurt überstellt, von wo aus ihre Deportation in das nördlich von Berlin gelegene Frauenkonzentrationslager Ravensbrück erfolgte. Hier traf sie am 21. Februar 1942 ein und wurde unter der Häftlingsnummer 9536 registriert. Anfang Oktober wurde sie gemeinsam mit 521 anderen in Ravensbrück inhaftierten Jüdinnen nach Auschwitz transportiert, wo sie am 16. Oktober 1942 ermordet wurde. 

Der 1948 durchgeführte Volksgerichtsprozess gegen die 1889 geborene Stefanie R., die sich aufgrund der Denunziation gegen Maria Gornik gerichtlich zu verantworten hatte, endete mit einem Freispruch. Die damals 59-Jährige, die von den ermittelnden Beamten 1946 noch verdächtigt worden war, ein Komplott gegen Maria Gornik geschmiedet zu haben, wurde seitens des Gerichts nun als „eingeschüchterte“ und „schwatzhafte Frau“ gesehen, die ohne böse Absicht ihrem Alter gemäß gehandelt habe. Mit diesem Urteil zeigte sich auch eine politische Gesamttendenz: Frauen als aktive Akteurinnen, Antisemitinnen und Systemerhalterinnen verschwanden wieder aus dem öffentlichen Blick und wurden „wieder zu dem, was sie gewesen waren – ganz normale Frauen.“

Letzter Brief Maria Gornik an ihren Mann Wilhelm, Gestapogefängnis Klagenfurt, Dezember 1941

„Lieber Jauze!
Eben heute Freitag hat man mir mitgeteilt, daß ich morgen Früh in das Lager komme. Du kannst Dir kaum meine Verzweiflung vorstellen, nachdem man uns solche Versprechungen gemacht hat. Zum Schluß hatte ich noch eine große Aufregung. Als ich unlängst mit Herrn Tribnig in Anwesenheit des Herrn Hauptwachmeisters sprach, sagte ich ihm daß mich Herr Wachtmeister G. nicht in Ruhe läßt, was er falsch auffaßte, als wenn er mir zunahegetreten wäre. Ich erfuhr das durch ein Mädel welches bei Herrn Tribnig arbeitete. Ich wurde heute in die Kanzlei geholt, wo mir Herr Tribnig eine Mitteilung machen wollte. Sofort machte ich denselben auf seinen Irrtum aufmerksam wofür er mich vor Herrn Hauptwachmeister mißhandelte. Er machte die Bemerkung, daß ich dies noch büßen werde. 
Lieber Willi ich teile Dir dies nur aus dem Grunde mit, daß Du beim Herrn Kommissar vorbringst, daß ich unschuldigerweise mißhandelt wurde. Viele Grüße und Küsse von Deiner dich liebenden Mitzi. Ich wünsche Dir gesegnete Weihnachten und sei nicht verzweifelt, wir werden uns gesund wiedersehen.“

Quellen und weiterführende Literatur: 
KLA, Bezirksgericht Villach, Z-Akten.
Interview Hans Haider mit Mathilde Wassertheurer.
Lisa Rettl, Alexandra Schmidt: „Du kannst Dir meine Verzweiflung kaum vorstellen…“ Maria Gornik, in: Alexandra Schmidt (Hrsg.), Drautöchter. Villacher Frauengeschichte(n), Klagenfurt 2013.
Alexandra Schmidt: „Ich habe jeden Tag gebetet, dass er wiederkommen soll“. Opfer der Shoah, in: Werner Koroschitz, Alexandra Schmidt (Hrsg.): Im besten Einvernehmen. Antisemitismus und NS-Judenpolitik im Bezirk Villach, Klagenfurt 2014.