Simma Bruno

  • geboren am 22. März 1925 in Villach
  • gestorben am 5. Februar 1942 in der NS-Tötungsanstalt „Am Spiegelgrund“ in Wien
  • zuletzt wohnhaft in Villach

Bruno Simma besuchte durch acht Jahre die Volksschule mit mittlerem Erfolg. Im Anschluss nach einem Scharlach trat bei ihm Zittern des ganzen Körpers, Sprachstörungen und ein geistiger Verfall auf. Am 21. Jänner 1942 wurde er vom Gesundheitsamt Villach in die Jugendfürsorgeanstalt Am Spiegelgrund nach Wien eingewiesen. Die Aufnahmeuntersuchung erfolgte durch Dr. Heinrich Gross. Dieser vermerkt im Protokoll: 
„Während der Untersuchung liegt das Kind in Rückenlage, aus der es sich nicht selbst erheben kann. Das Kind zeigt am ganzen Körper, besonders in den Händen, zittrige Unruhe. Das Kind äußert lebhafte Schmerzem beim Kneifen und Stechen, besonders auf der Streckseite des Oberschenkels. Die Sprache ist kaum verständlich, anscheinend ist die Artikulation gestört. Enddiagnose: Dementia paralytica juvenilis. 

Nach einer Lumbalpunktion leidet Bruno an einem beginnenden Dekubitus, der sich sehr schnell vergrößert. Am 4. Februar 1942 stirbt der Jugendliche im Alter von 17 Jahren. Als Todesursache wurde Lungenentzündung angegeben.

Bruno Simma ist ein Opfer der „dezentralen NS-Euthanasie“

„Die Kinder- und Jugendfürsorgeanstalt Am Spiegelgrund“
In der Wiener „Heil- und Pflegeanstalt“ Am Steinhof wurde im Jahr 1940 die städtische „Kinder- und Jugendfürsorgeanstalt Am Spiegelgrund“ eingerichtet. Beinahe 800 Kinder und Jugendliche fanden in dieser Tötungsanstalt zwischen 1940 und 1945 den Tod. Viele von ihnen deswegen, weil sie dem „Reichsausschuss zur wissenschaftlichen Erfassung von erb- und anlagebedingten schweren Leiden“, der Tarnorganisation für den Mord an Kindern und Jugendlichen, gemeldet wurden und dieser sie als „lebensunwert“ einschätzte. Verschiedene Kriterien wie z. B. „Idiotie, Lähmung oder Missbildung verschiedener Art“  wurden dabei als Gründe für die Meldung der Kinder genannt. Tatsächlich war allerdings oftmals das Kriterium der späteren Arbeitsfähigkeit ausschlaggebend bei der Entscheidung über Leben und Tod.

Quellen und weiterführende Literatur: 
Die namentlich erfassten Opfer der NS-Euthanasiemorde in und aus Kärnten – Auszug aus dem Namensarchiv der Plattform der NS-Opferverbände in Kärnten. Bearbeitung und Konzept: Helge Stromberger. Erhebungsstand: Jänner 2012, maschinenschriftlich. Einsehbar: beim Kärntner Landesarchiv oder beim Autor.
Herwig Oberlerchner; Helge Stromberger (Hg.): Sterilisiert, vergiftet und erstickt. Das Wüten der NS-Euthanasie in Kärnten, Klagenfurt 2017.
Waltraud Häupl: Die ermordeten Kinder vom Spiegelgrund. Gedenkdokumentation für die Opfer der NS-Kindereuthanasie in Wien. Wien, Köln, Weimar 2006.