Hans Haider – Die verschlungenen Wege der Erinnerung in Villach – die subjektive Darstellung eines Beteiligten

Die Anfänge

Im Jahr 1999 hat der Verein Erinnern-Villach ein Denkmal der Namen, das an die Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft erinnert, in der Villacher Innenstadt errichtet. Die Geschichte dieses Denkmals beginnt aber nicht, wie man vermuten würde, in den 1990er Jahren, sondern 50 Jahre früher, genau am 8. Mai 1946. Es war der erste Jahrestag der Kapitulation Hitlerdeutschlands und der Befreiung vom Nationalsozialismus. Der Villacher Gemeinderat trat zu einer Festsitzung zusammen. Die Sitzung begann mit einer Festansprache des Bürgermeisters Viktor Petschnik von der SPÖ, die für die anwesenden Vertreter der britischen Militärregierung ins Englische übersetzt wurde. Anschließend wurde ein Antrag vorgetragen, der einstimmig angenommen wurde. Der Antrag bezog sich auf die Errichtung eines Befreiungsdenkmals, das „allen um die österreichische Freiheit gefallenen Helden“ gewidmet sein sollte. Und weiters, so die damaligen Ausführungen des Bürgermeisters, entspreche das Denkmal einem allgemeinen Bedürfnis der Bevölkerung. Damit wollte er ausdrücken, dass die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung niemals nationalsozialistisch gewesen sei. Das stimmte natürlich nicht, und das wusste er. Vor allem ging es ihm darum, von den Alliierten als Opfer und als befreiter Staat anerkannt zu werden, und zu zeigen, dass man bereit sei, sich mit dem österreichischen Widerstand zu identifizieren, wie es in der Moskauer Deklaration von Österreich eingefordert wurde. Man kann diese Aussage aber auch anders interpretieren, als Ausdruck von staatsmännischem Geschick, wie es die Krisensituation unseres Landes nach 1945, bedroht von Hunger, Spaltung und internationaler Isolierung, erforderte. Trotzdem war diese Aussage des Bürgermeisters über die antifaschistische Gesinnung der Bevölkerung – Wissen vorausgesetzt – eine Lüge. Die Lebenslüge unserer Republik, die uns 50 Jahre später einholte. 

Aber schon ein Jahr nach dem damaligen Antrag rückten die SPÖ und die ÖVP von dieser ursprünglichen Beschlussfassung ab und sprachen von einem Ehrenmal für alle Toten der Stadt im letzten Weltkrieg. Nicht die Erinnerung an die Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft sollte im Vordergrund stehen, sondern das Gedenken an die Gefallenen, die Vermissten und die Bombenopfer. Mit diesem Schwenk vom Befreiungsdenkmal zum Ehrenmal für die Kriegsopfer waren die Opferverbände und die Kommunistische Partei Villachs nicht einverstanden. Diese problematische Gleichsetzung von Opfern und Tätern war für sie nicht akzeptabel. Daraufhin stellte die KPÖ-Villach einen Antrag für eine Namenstafel für die Opfer des Faschismus. Es war der erste Antrag für ein Denkmal der Namen in Villach. (Den zweiten Antrag für ein Denkmal der Namen stellte ich 50 Jahre später, im selben Gemeinderat.) Der Antrag der KPÖ hatte keine Aussicht auf Erfolg und wurde abgelehnt. Zu dieser Zeit gab es bereits ein heftiges Werben um die Wählerstimmen der minder belasteten Nationalsozialisten, die erstmals wahlberechtigt waren. Die Realisierung eines antifaschistischen Denkmals wäre dafür kontraproduktiv gewesen. 

Im Laufe des weiteren gesellschaftlichen Diskurses erfuhr dieses Denkmal noch mehrere Metamorphosen: Vom Befreiungsmal über ein Ehrenmal, Friedensmal zum Totenmal. Diesem Diskussionsverlauf entsprechend war auch der Denkmalentwurf des Künstlers Sepp Dobner, der während der Nazizeit voller Begeisterung Hitlerbüsten hergestellt hatte. Im Oktober 1953 wurde dieses Denkmal auf dem Villacher Waldfriedhof enthüllt. Die Inschrift lautet: „Allen Opfern der Stadt Villach zum Gedenken.“ Im Zentrum des Denkmals befindet sich eine weibliche schmerzgebeugte Trauerfigur, die die Toten des Krieges beweint. Es ist – so meine ich – ein würdiges Denkmal für die Gefallenen, die Vermissten und die Bombenopfer. Ihrer zu gedenken ist auch unsere Pflicht, wenn wir eine menschliche Gesellschaft sein wollen. Allerdings mit dem Wissen, dass die Soldaten, unabhängig von ihrer subjektiven Einschätzung, nicht für die Heimat kämpften, sondern für das großdeutsche Reich, für ein verbrecherisches nationalsozialistisches Regime. Es muss uns bewusst sein, dass dieses Denkmal auf dem Waldfriedhof kein Befreiungsdenkmal ist und nicht an die Opfer der NS-Herrschaft erinnert, genausowenig, wie es an den Widerstand gegen die NS-Herrschaft erinnert. Im Gegenteil: Dieses Denkmal hat viel dazu beigetragen, dass die Opfer der nationalsozialistischen Gewalt aus der öffentlichen Erinnerung in Villach verdrängt wurden und verschwunden sind. Wenn man heute auf der Website der Stadt Villach nachsieht, handelt es sich um ein Denkmal für alle Gefallenen des Zweiten Weltkrieges. So wird es auch in der Bevölkerung wahrgenommen. 

Neue Rahmenbedingungen

Nun machen wir einen Sprung in das Jahr 1994. Ich war damals Grüner Gemeinderat in Villach. Die Gesellschaft hatte sich inzwischen massiv verändert. Eine neue Generation kritischer Menschen war herangewachsen, die auf Spurensuche ging und sich mit der nationalsozialistischen Vergangenheit ihrer Stadt bzw. Region auseinandersetzte. Auch in Villach. Seit 20 Jahren unterrichtete ich Physik und Mathematik im Villacher Peraugymnasium, einer Schule mit nationalsozialistischer Tradition. Gleich nach dem Anschluss wurden sieben Lehrer entlassen. Der Geographielehrer Karl Kmeth beging Selbstmord, indem er sich mit dem Rasiermesser die Halsschlagader aufschnitt. Vier Jahre zuvor hatte der jüdische Mathematiklehrer Ernst Singer Selbstmord begangen, weil er die andauernden antisemitischen Beschimpfungen nicht mehr ertrug. Er erschoss sich im Konferenzzimmer. Gleich nach dem Anschluss, im April 1938, gab es eine Bücherverbrennung im Schulhof. Nach dem Krieg haben wieder viele ehemalige Nazis, nachdem sie für ein paar Jahre an eine Hauptschule verwiesen worden sind, an dieser Schule unterrichtet. Lautstark, nostalgisch und verklärend redeten sie über die Nazi-Zeit, in der sie jung und stark gewesen waren, und prägten die Schüler und die Erinnerungskultur der Schule. Es gab aber auch einen Lehrer, der Spanienkämpfer und Kommunist und fünf Jahre im KZ Dachau inhaftiert gewesen war. In seinen Bemühungen, diese Erinnerung an die Schüler weiterzugeben, scheiterte er. Das wollten die Schüler nur wenige hören. Ich weiß das aus den Erzählungen meiner Kollegen, die fast alle diese Schule besuchten und ihn als Lehrer hatten. Das war die Situation, als ich 1974 zu unterrichten begann. Zehn Jahre später erfuhr ich, dass unsere Sekretärin Helga Emperger als 16-jähriges Mädchen gemeinsam mit ihrer Mutter (Maria Peskoller) wegen Widerstandes gegen das NS-Regime von der Gestapo verhaftet wurde. Ihre Mutter wurde am 23. Dezember 1944 in Graz hingerichtet. In dieser Umgebung, wo die Erinnerung der ehemaligen Nazis lautstark dominierte, verstummte sie. Ihre Geschichte wollte niemand hören. Ich empfand das als schreiendes Unrecht, als einen Sachverhalt, den ich nicht hinnehmen wollte, und so hat mich diese Geschichte nicht losgelassen. Ich begann Nachforschungen anzustellen und einschlägige Literatur zu lesen. Dabei wurde mir immer klarer, dass viele Geschehnisse von damals verschüttet sind und dass es unbedingt notwendig ist, mit älteren Villachern zu reden, um diese Ereignisse in die öffentliche Erinnerung zu holen. Aus diesen Gesprächen entstanden einige Berichte und Interviews über die Deportation der Villacher Sinti und über die Ereignisse des Novemberpogroms 1938 in Villach. Auch das „Zeitzeugenprojekt“ an den österreichischen Schulen muss diesbezüglich erwähnt werden. Seit 1987 habe ich jedes Jahr den Zeitzeugen Hermann Langbein – Spanienkämpfer und Häftling im KZ Auschwitz – für eine ganze Woche nach Villach eingeladen, damit er an Villacher Schulen referiert. Außerdem gab es in dieser Zeit zwei Politskandale, die eine gesellschaftliche Diskussion auslösten und zu einer nachhaltigen Bewusstseinsveränderung beitrugen. Gemeint sind die Reder Frischenschlager-Affäre im Jahr 1985 und die Waldheim-Affäre im Jahre 1987. Beide Affären wurden von den Medien auf die Titelseiten platziert und lösten eine heftige Diskussion über den Umgang Österreichs mit seiner nationalsozialistischen Vergangenheit aus. Die Debatte erreichte breite Bevölkerungsschichten. Sie ging quer durch die Familien und durch alle sozialen Schichten. Wobei das eigentliche Problem nicht darin lag, dass Waldheim über seine Vergangenheit nicht die Wahrheit gesagt hatte bzw. diese verschwiegen hatte, sondern in einem Radiointerview, in dem sich Waldheim mit den Worten verteidigte: „Ich habe im Krieg nichts anderes getan als hunderttausend andere Österreicher, nämlich meine Pflicht als Soldat erfüllt.“ Damit widersprach er als möglicher zukünftiger Bundespräsident der Opferthese, die bis dahin das zentrale Argument der offiziellen Geschichtsdarstellung war. Robert Menasse hat als Reaktion darauf geschrieben, dass die Zweite Republik auf einer Geschichtslüge errichtet worden sei, nämlich der Lüge, das erste Opfer des Nationalsozialismus gewesen zu sein. 

Zwischen Anerkennung und Verdrängung

Unter diesen veränderten gesellschaftlichen Bedingungen habe ich im Jänner 1994 im Villacher Gemeinderat einen Antrag für eine Namenstafel eingebracht. Konkret ging es bei diesem Antrag um drei junge Villacher Frauen, die wegen Widerstandes gegen das NS Regime zum Tode verurteilt und am 23. Dezember 1944 in Graz hingerichtet wurden. Für diese drei Frauen sollte die Stadt Villach an geeigneter Stelle eine Gedenktafel anbringen. Der Antrag wurde im Kulturausschuss vorberaten und grundsätzlich positiv bewertet. Sieben Monate später wurde der Antrag im Gemeinderat öffentlich diskutiert. Es war eine spannungsgeladene Stille im Saal, als dieses Thema auf die Tagesordnung kam. Bernd Plasonig, Gemeinderat der ÖVP, dessen Onkel zwei Jahre im KZ Dachau inhaftiert war, drehte sich zu mir um und sagte: „Kollege Haider, ich sage Ihnen, dieses Thema kann man nicht im Gemeinderat diskutieren. Dazu ist es noch zu früh“. Die Debatte zeigte, dass man sich sehr schwer tat mit diesem Thema, das 50 Jahre lang „unter den Teppich gekehrt“ worden war. Die Diskussion drehte sich um die Soldaten, das Bundesheer, die Pflichterfüllung, die Aufklärung in den Schulen, die Demokratie, die Aufbauleistung nach 1945 usw. Man erging sich in allgemeinen Betrachtungen und vermied es konkret zu werden. So sprach man von der Gewalt im Allgemeinen auf dieser Welt und nicht von der Gewalt der Nationalsozialisten, man sprach ganz allgemein von Diktaturen auf dieser Welt, aber nicht von der nationalsozialistischen Diktatur. Man scheute sich konkret Bezug zu nehmen auf unsere Stadtgeschichte und auf die Verbrechen, die in Villach zwischen 1938 und 1945 geschehen waren. Die Debatte im Gemeinderat war gewissermaßen eine Fortsetzung der Verdrängung. Eine Verdrängungsdiskussion. Vor allem scheute man sich, Namen auf einer Tafel zu nennen, denn dadurch, so der allgemeine Tenor, würden Gräben in unserer Gesellschaft aufgerissen. Am klarsten hat diese Ansicht Stadtrat Pacher von der ÖVP formuliert: „Wir können einer Tafel, die fokussiert ist auf bestimmte Personen und einen bestimmten Zeitraum, nicht zustimmen. Ich bin der Meinung, dass Mahnmale aus heutiger Sicht nicht nur eine Zeit, sondern einen Umstand betreffen sollten. Dieser Umstand heißt Gewalt. Man soll nicht mit dem Finger auf Personen zeigen, sondern zeigen, dass Gewalt etwas sehr Interaktives ist. Im Volksmund heißt es, zum Streiten gehören zwei.“ 

Also plädierte man am Schluss der Debatte für ein allgemeines Denkmal gegen die Gewalt: „Der Gemeinderat beschließt, dass ein künstlerisch gestaltetes Denk- bzw. Mahnmal errichtet wird, um aller zu gedenken, die im Widerstand gegen die Gewaltherrschaft das Leben wagten oder opferten oder Opfer der Gewaltherrschaft wurden.“ Dieser Antrag wurde von allen Fraktionen, ausgenommen der Freiheitlichen Partei, angenommen. 

Aus einer Gedenktafel für drei hingerichtete Villacherinnen ist also ein richtiges Denkmal geworden. Weil man sich aber scheute, den Nationalsozialismus direkt zu nennen, wurde ein sehr allgemeiner Text beschlossen. Ich war darüber sehr empört und voller Wut. Trotzdem habe ich zugestimmt, denn meine Ansicht damals war wie folgt: Ob die Namen in das geplante künstlerische Objekt einbezogen werden oder nicht einbezogen werden, ob es einen Bezug zu unserer Stadtgeschichte geben wird oder ob es keinen Bezug geben wird, das war noch nicht entschieden. Das werde, so meine damalige Überzeugung, davon abhängen, wie der weitere Diskussionsprozess zu diesem Thema in unserer Stadt verlaufen würde. Inwiefern es uns gelingen würde, mehr Verständnis und mehr Bewusstsein zu diesem Thema in der Villacher Bevölkerung zu erwecken. Eine Initiativgruppe gründete den Verein Erinnern-Villach, um sich diesen Aufgaben zu widmen. Wir organisierten Diskussionsveranstaltungen, machten Ausstellungen und brachten Publikationen heraus. 

Der Umschwung

Das entscheidende Ereignis, das einen Meinungsumschwung in Villach herbeiführte, fand im Mai 1996 statt. Eine 6. Klasse, in der ich Physik unterrichtete, konnte ich dazu motivieren, mit ihrem Kunsterzieher Gernot Gurker ein provisorisches Denkmal der Namen zu entwerfen und zu bauen. Inzwischen hatten wir ungefähr 70 Namen zur Verfügung und wussten auch, dass an die hundert Villacher Sinti deportiert worden und niemals zurückgekehrt waren. Ein gewagtes Projekt, denn für nicht wenige Villacher, und das wusste ich, würde das eine Provokation sein. Ein Gespräch mit dem Direktor der Schule, Othmar Griesser, war also notwendig. Zu meiner Verwunderung war er damit nicht nur einverstanden, sondern er bestärkte mich das zu tun: „Machen Sie das, Kollege Haider“ sagte er. Die Schülerinnen und Schüler waren von der Möglichkeit, eine Provokation auszulösen, ohnehin begeistert. 

Das Denkmal wurde mitten auf dem Villacher Hauptplatz um die Pestsäule aufgebaut und feierlich eröffnet. Es blieb dort mehrere Tage stehen und erregte großes Aufsehen. Viele Menschen blieben beim Denkmal stehen, studierten die Namen und verwickelten uns in heftige Diskussionen. Oft waren es Angehörige, von denen wir wertvolle Informationen, wie Verhaftungsgründe, Lebensumstände, Abschiedsbriefe usw., erhielten. Dadurch konnten wir diese Menschen ein wenig aus der Anonymität herausholen und sichtbarer machen. Außerdem wurden wir auf Fehler aufmerksam gemacht ebenso wie auf andere Opfer, die noch nicht auf dem Denkmal aufschienen. Für mich war das eine starke Motivation, am Thema dran zu bleiben und mit einer gewissenhaften Namensforschung zu beginnen. Daraufhin kam es zu einem längeren Gespräch mit der damaligen Kulturstadträtin Monika Kircher-Kohl über die weitere Vorgangsweise bezüglich der Errichtung des vom Gemeinderat beschlossenen allgemeinen Denkmals. Dabei teilte sie uns mit, dass die Stadt nicht mehr die Absicht habe, das Denkmal „gegen die Gewalt im Allgemeinen“ umzusetzen, und für ein „Denkmal der Namen“ könne die Stadt die Verantwortung nicht übernehmen. Sie äußerte Verständnis für unser Anliegen und machte uns folgenden Vorschlag: „Wenn der Verein Erinnern ein ‚Denkmal der Namen‘ entwirft und dafür die Verantwortung übernimmt, werde ich mich dafür einsetzen, dass die Stadt das finanziell unterstützt, und euch bei der Suche nach einem geeigneten Platz helfen“. 

Damit waren wir einverstanden. Aus einem städtischen Denkmalprojekt ist also ein Vereinsprojekt geworden. Das war mir sehr recht, denn, so dachte ich, nun können wir das Denkmal nach unseren eigenen Vorstellungen gestalten und auch Inhalt und Form der zukünftigen Gedenkveranstaltungen selbst bestimmen. Der Kunsterzieher Heinz Aichernig, ebenfalls Lehrer am Peraugymnasium – also ein Kollege von mir – machte einen Entwurf. Mit Hilfe der Stadt Villach, des Österreichischen Nationalfonds für die Opfer des Holocaust und einer breit angelegten Bausteinaktion realisierten wir das Denkmal. Es wurde im September 1999 feierlich enthüllt. Die Festansprache hielt der slowenische Schriftsteller Andrej Kokot, dessen Bruder Jožek im KZ Mauthausen ermordet wurde. 

Das Denkmal ist ein „lebendiges“ Denkmal. Das heißt, wir haben die Möglichkeit, weitere Namen beizufügen, wenn die Forschung neue Namen zutage fördert. Enthüllt wurde es mit 64 Namen. Inzwischen gab es vier Erweiterungen, so dass zur Zeit 336 Namen auf dem Denkmal aufscheinen. Auf den Glastafeln sind nicht nur der Name, das Geburtsjahr und das Todesjahr, sondern auch der Todesort eingraviert. Auf diese Weise erscheint auf dem Denkmal eine Topographie des nationalsozialistischen Terrors. Das Denkmal wurde mehrmals von Neonazis geschändet. Doch 

mit Hilfe von Spendengeldern haben wir es jedes Mal erneuert und wieder feierlich eröffnet. Seit 2008 wird das alljährliche Gedenken gemeinsam mit der Stadt Villach organisiert und durchgeführt. 

Wenn man sich nochmals vor Augen führt, wie 1949 der Antrag der Kommunistische Partei Villach für eine Namenstafel abgelehnt wurde, so sieht man die verschlungenen Wege der Erinnerung in Villach. Diese Geschichte ist gut ausgegangen.

Bibliographie und Quellen:
Koroschitz, Werner/Rettl, Lisa: Heiß umfehdet, wild umstritten – Geschichtsmythen in Rot-Weiß-Rot, Drava Verlag/Založba Drava, Klagenfurt/Celovec 2005.
Stuhlpfarrer, Karl: Ansprache an der Universität Klagenfurt am 29. 10. 2008, anlässlich der Eröffnung der Ausstellung „Wo man mit Blut die Grenze schrieb“. (PA)
Uhl, Heidemarie: Das erste Opfer. Der österreichische Opfermythos und seine 
Wilde Minze: http://www.youtube.com/watch?v=H4euUHbOdR4 
Antrag der kommunistischen Gemeinderatsfraktion an den Gemeinderat der Stadtgemeinde Villach, 28. 4. 1949 (PA).
Protokoll der Villacher Gemeinderatssitzung vom 28. 4. 1994 (PA).